Theater für Jugendliche

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Eine kleine Auswahl an Pressestimmen

 

Bericht vom 20. Mai 2011

Naturgesetze der Liebe

Theaterensemble des Neuenburger Gymnasiums hat mit seiner Eigenproduktion "Von wegen nur Liebe" heute Premiere.

Das Märchen von Luna eröffnet den Bilderbogen der Facetten der Liebe. Foto: Dorothee Philipp

NEUENBURG AM RHEIN. Ist es ein Naturgesetz, dass Liebe mit der Zeit "unverrückbar grau" wird? Und wenn ja, wie geht das vor sich? Was passiert nach dem Happy-End mit Ringtausch, wenn der Alltag weitergeht? Das Theaterensemble des Neuenburger Gymnasiums hat mit dem Stück "Von wegen nur Liebe" eine Eigenproduktion geschaffen, die diesen Fragen nachspürt. Heute Abend ist um 20 Uhr in der Aula mit sechs Mädchen und vier Jungen im Alter von 15 bis 19 Jahre Premiere.

Am Donnerstag wurden die verschiedenen Szenen, an denen das Ensemble schon seit Oktober arbeitet, noch einmal durchgegangen. "Wir wollen mit diesem Stück unter anderem zeigen, wie Routine Liebe zerstört", sagt eine der Schauspielerinnen. Dabei habe man nicht nur eigene Erfahrungen einfließen lassen, sondern auch Erlebnisse im Familien- und Bekanntenkreis sowie Beobachtungen im Alltag. Zum Beispiel: Ein Paar sitzt am sonntäglichen Frühstückstisch, er, hinter der Zeitung vergraben, findet den Kaffee zu kalt und das Ei zu weich, sie, im knallroten Bademantel, schrillt, er könne mal wieder den Rasen mähen. Schließlich haut er die Zeitung auf den Tisch und geht angeln.Diese mit Komik gespickte, aber trotzdem bitterernste Szene sei aus Improvisation heraus in nur einer halben Stunde entstanden, merkt Theaterpädagoge Uwe Fröhlich an, der mit der Truppe schon seit vier Jahren Theater macht. Die Szenen des gesamten Stücks ergaben sich teils durch freies improvisatorisches Spiel, teils aber auch durch Texte, die vorher gemeinsam erstellt und erst danach auf ihre Bühnentauglichkeit getestet wurden, sagt Fröhlich. Herausgekommen ist eine eindrucksvolle Collage, in der auch die Sprachstile stark kontrastieren vom Märchenton des Luna-Motivs über die Theatralik eines Shakespeare-Stücks beim klassischen Liebespaar Marie und Sebastian bis zum schnoddrigen Ton des heutigen Alltags, wenn Liebesschwüre als "Gesülze" demontiert werden.

An einzelnen Gesten mit Symbolcharakter wie das Loslassen der Hände beim Liebespaar, das sich trennt, weil er arbeiten muss, wird gefeilt, bis ein Bild entsteht, das als Momentaufnahme die ganze Tragik der späteren Entwicklung vorzeichnet. "Wir wollen mit diesen Szenen zeigen, was sein kann, nicht belehren", meint eine der Schauspielerinnen. "Aber auch unterhalten", ergänzt ihre Kollegin. Denn Theater habe auch etwas mit Unterhaltung zu tun.

Der moralische Anspruch des Bühnenstücks begnügt sich damit, dem Zuschauer einen Spiegel mit verschiedenen Charakteren vorzuhalten, in denen er sich wiedererkennen kann. Fabian Kummer wirkt am Flügel mit seinen Improvisationen als Stimmungsmacher. Wie der Pianist zu Stummfilmzeiten gibt er den Szenen Helle oder Düsternis, Verzweiflung oder Lebensmut, dazu Rhythmus und Dynamik. "Das macht das Stück sehr fein und die Übergänge glatter", lobt Regisseur Fröhlich. Ein herausragendes Merkmal sei außerdem, dass alle Darsteller gleichberechtigte Rollen spielen und keine Hierarchie in der Wichtigkeit der einzelnen Figuren besteht.

Doch nicht nur das zehnköpfige Ensemble ist an dem Stück beteiligt: Ehemalige Darstellerinnen und Darsteller wie zum Beispiel Lina helfen beim Bühnenaufbau und der Technik mit und geben bei den Proben auch ein kritisches Publikum ab.

Die Proben seien zwar anstrengend gewesen, hätten aber auch großen Spaß gemacht, meinen die jungen Mimen unisono. Dazu gehört schon auch mal ein ganzer Probensonntag von 10 bis 18 Uhr.  

"Von wegen nur Liebe"

Aufführung des Theaterensembles des Kreisgymnasiums Neuenburg

Premiere am Freitag und Samstag, 20. und 21. Mai, 20 Uhr in der Schulaula

Dauer: 2 x 40 Minuten

Regie: Uwe Fröhlich

Musik: Fabian Kummer

Darsteller: Tobias Zeun (Júan, Sohn des Mondes), Rebecca Pfister (Thalia), Dorit Wegner (Aglaia), Hannah Brasse (Carmen, Júans Mutter), Christian Lienau (Priester, Kellner), Mia Lindner (Marie), Eric Tobian (Sebastian), Katja Weyhermüller (Monika), Kathrin Sichler (Brunhilde), Fabian Kummer (Walter) 


 

Erschienen am: 22.06.09

Facettenreiches Bild der 20-er Jahre
Das Theater-Ensemble KGN glänzt

Die sehenswerte Vorstellung wird in Bad Bellingen am Samstag, 27., Juni um 20 Uhr im Kurhaus wiederholt. Foto: Jutta Schütz

Mit La Vie en Rouge ist dem Theater-Ensemble des Kreisgymnasiums Neuenburg unter Leitung des Theaterpädagogen Uwe Fröhlich ein Abbild der facettenreichen 20-er Jahre gelungen, die sich eben nicht nur als die ausgelassenen Wilden Zwanziger mit Tanz, Musik und Show definieren, sondern auch mit sozialen Unruhen, Armut und dem Aufstieg der Nationalsozialisten verbunden sind.
All diese Themen haben die Schüler in dem selbst verfassten Stück unter einen Hut gebracht und traurige, dramatische und fröhliche Szenen daraus entwickelt.
Kommentiert werden die Ereignisse von drei wachen Zeitgeistern, die einen reflektierten Blick auf das Bühnengeschehen wagen. Donnernder Beifall war den 20 jungen Schauspielern bei der voll besetzten Premiere in der Aula des Kreisgymnasiums sicher. Die Geschichte handelt vom Kriegsheimkehrer Kostowitch (Philipp Buck), der nach dem Ende des Ersten Weltkriegs mit vier Frauen das Varieté Bouge Rouge eröffnet. Geld für die Eröffnung leiht er sich vom nationalsozialistisch eingestellten Industriellen Meisner (Felix Gerbig). Der versucht, über Schlägerbanden Schutzgelder von den Varietékünstlern zu erpressen, unter denen ehemalige Arbeitslose, Juden, Zigeuner und auch Meisners Tochter (gesanglich hervorragend Lena Cutillas und Vivienne Beutler) sind. Die verhängnisvolle monetäre Verstrickung von weltoffenen Künstlern und ihren Zuschauern und dem manipulierenden Machtmenschen Meisner führt nicht nur zu einer menschlichen Tragödie.
Nicht alle Protagonisten erkennen rechtzeitig, was sich durch die ständige Einmischung des Industriellen anbahnt. Die Warnung einer Bürgerin (Er kann nicht verlieren – das macht ihn gefährlich) verhallt, weil niemand sich das Unvorstellbare vorstellen mag, das mit der Machtergreifen der wahren Deutschen droht.
Eine weitere Gelegenheit, die sehenswerte Vorstellung zu erleben, hat man beim ersten Gastspiel des Theaterensembles in Bad Bellingen am Samstag, 27. Juni um 20 Uhr im Kurhaus. Der Eintritt ist frei.


 

Wie Geld die Welt regiert

Schüler spielen das Stück "Der Besuch der alten Dame" im Neuenburger Kreisgymnasium.

Das Theater-Ensemble des Kreisgymnasiums Neuenburg spielt einen Dürrenmatt-Klassiker. Foto: Privat

NEUENBURG AM RHEIN (BZ). Nach den vergangenen Erfolgen mit den selbst verfassten Stücken "Splitterspiegel", "Der Duft Der Welt" und "La Vie En Rouge" probierte sich das Theater-Ensemble des Kreisgymnasiums Neuenburg nun an einem Klassiker: "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt. Unter der Regie von Uwe Fröhlich vom Theater Creativo zeigten die Schüler überzeugende schauspielerische Leistungen.

Wer meint, diese seien ab einem gewissen Grad nicht mehr zu steigern, der wurde in den beiden Aufführungen eines Besseren belehrt. Die Geschichte von Kläri und der Stadt Güllen und die Darstellung menschlicher Schwächen und gesellschaftlicher Grotesken wurden mit einer Intensität, Präsenz und Ehrlichkeit auf der Bühne nachgelebt, die das Publikum faszinierte und überzeugte. Dürrenmatt stellt in diesem Stück die bürgerliche Moral in Frage. In der tragischen Komödie wird deutlich, dass Geld die Welt regiert.

45 Jahre sind vergangen, seit Kläri Wäscher ihre Heimatstadt Güllen, hochschwanger und verleumdet von ihrer Jugendliebe Alfred Ill, verlassen musste. Nun betritt sie das erste Mal wieder den Boden ihrer Geburtsstadt. Doch hat sich Einiges geändert. Die alte Dame, eiskalt und unantastbar – überzeugend gespielt von Kathrin Sichler – ist mittlerweile schwerreich, zum siebten Mal verheiratet und trägt den Namen Claire Zachanassian. Beim offiziellen Empfang durch den Bürgermeister (Tobias Zeun) verspricht sie der Gemeinde, in der die Armut regiert, eine Milliarde – unter einer Bedingung, dass Alfred Ill, der sie damals mit ihrem Kind hatte sitzen lassen, zur Rechenschaft gezogen werde. Die Gemeinde weist das Angebot entsetzt zurück. Claire verweilt in Güllen, heiratet ein weiteres Mal und führt ihre exklusiven Geschäfte von Güllen aus, unterstützt von ihrem diskreten und effizienten Sekretär (Kim Breu) – auch ein ehemaliger Güllener.

Ill, dessen verzweifelte Lage von Felix Gerbig authentisch dargestellt wird, heiratete einst die Güllener Kaufmannstochter Mathilde Blumhard (Meike Matheis), mit der er inzwischen Sohn (Christian Lienau) und Tochter (Katja Weyhermüller) hat. Anfangs glaubt er, er könne sich auf die Solidarität seiner Mitbürger verlassen, jedoch weckt deren neuer Sinn für Luxus bald sein Misstrauen und er fühlt sich gejagt. Weder die nüchterne Polizistin (Vivienne Beutler), noch der bestimmte Bürgermeister und der fromme Dorfpfarrer (Eric Tobian) können ihn beruhigen, sind sie doch mittlerweile allesamt dem Kaufrausch verfallen und erwarten insgeheim den baldigen Geldsegen.

Lediglich die Lehrerin am Güllener Gymnasium (Rebecca Pfister) mahnt in einer dramatischen Szene die Güllener zu Vernunft und Menschlichkeit. Doch allmählich entrüsten sich die Bürger über Ills früheres Verhalten; Reporter (Carolin Heinrich und Lina Matheis) suchen den Ort des Geschehens auf, und in einer einberufenen Gemeindeversammlung wird einmütig Ills Tod beschlossen. Er stirbt noch im verriegelten Saal.

Obwohl sich das Ensemble ein bekanntes Stück ausgesucht hat, haben es die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler geschafft, ihren persönlichen Charme einfließen zu lassen und das Theaterstück zu ihrem eigenen zu machen. Die teilweise bedrückenden Szenen wurden aufgeheitert durch die Auftritte von Butler Tobi (Marc Pullig) und den zwei blinden Gefolgsleuten von Claire (Lena Cutillas und Dorit Wegener).

Das wirkungsvolle Bühnenbild (Meike Matheis) und die herrlichen Kostüme machten das Spiel komplett. Zusätzlich gab es erstmals musikalische Unterstützung, selbst komponiert und live am Flügel begleitet von Fabian Kummer. Er verstand es, einfühlsam die facettenreichen Stimmungen musikalisch zu erfassen. Seine Kompositionen vermittelten die vielen Stimmungen und bereicherten den Ausdruck in den Szenen maßgeblich.

Die Theatergruppe um Uwe Fröhlich zeigte eine hervorragende Leistung, der es gelang, die Emotionen Achterbahn fahren zu lassen und das Publikum bis zur letzten Minute zu fesseln.


 

Achterbahn der Gefühle

Theater-Ensemble des Gymnasiums in Neuenburg glänzte mit seinem Stück "Der Duft der Welt"

Faszinierte Publikum und Akteure: Die Aufführung des Stücks „Der Duft der Welt“ Foto: Privat

NEUENBURG AM RHEIN. Nach dem Erfolg mit "Splitterspiegel" brachte das Theater-Ensemble des Kreisgymnasiums in Neuenburg in diesem Jahr unter Leitung von Uwe Fröhlich vom Theater Creativo erneut ein faszinierendes selbst geschriebenes Stück auf die Bühne: Der Duft der Welt. Wieder wurde mit viel Witz, Charme und einer gewissen Überzeichnung ein aktuelles, ernst zunehmendes Thema anschaulich gemacht: unser Umgang mit der Erde.

Im Stück leben die Menschen auf einem neuen Planeten, da sie den alten restlos verseucht haben. Der neue Planet ist komplett überwacht. Berührungen oder auch nur der Hauch eines Gefühls sind verboten und vergessen. Doch die aufmüpfigen Jugendlichen, lebensecht dargestellt von Carolin Heinrich, Katja Weyhermüller, Hannah Brasse, Mark Pullig und Lukas Fingerle, entdecken das wunderbare Gefühl der Liebe neu und geben alles, um es wieder leben zu dürfen. Gibt es doch da eine Frau aus der alten Welt (die von Kim Breu überzeugend gespielte Oma), die von den wundervollen Zeiten auf der Erde erzählt und verbotene Kräuterdüfte verteilt.

Das Tribunal, das den Planeten steuert und überwacht, verliert zunehmend die Kontrolle, die Menschen werden verrückt. Das Tribunal wurde streng und perfekt einerseits aber auch überaus menschlich dargestellt von Verena Hölscher, Maike Matheis, Eric Tobian und Philipp Buck. Auch die Sekretärin (Lina Matheis) und die Frau des Psychologen (Dorit Wegner) können sich nicht so recht mit der grün-lila gestreiften Neukreation anfreunden, die nach den Wünschen der Partner als Baby künstlich geschaffen wurde und hätten lieber ein "echtes" Kind.

Die Elemente der alten Welt, Feuer, Wasser, Luft und Erde erscheinen und können nicht fassen, was passiert ist. Sie alle tragen noch das Gift der alten Welt in sich und wegen ihres Zornes und ihrer Enttäuschung wollen sie die Menschen auf dem neuen Planeten vernichten.

Ein Kampf um das alte und das neue Leben der Menschen beginnt und wird mit viel Spannung ausgetragen. Zauberhaft und anmutig, trotzig oder vermittelnd treten die Elemente Kathrin Sichler, Rebecca Pfister, Laura Hierholzer, Lukas Benz und der Götterbote Felix Gerbig in menschlicher Gestalt auf die Bühne.

Mit diesem Stück heben die Schauspieler auf eine besondere Art und Weise das Schöne in unserer Welt hervor und machen sich und ihren Zuschauern ein Bild davon, wie es ohne das Gewohnte auf unserer Erde zugehen könnte. Wie auch bei der früheren Inszenierung finden sich in dem Stück verschiedene Tänze, Lieder und eine fabelhafte Musik, die die Szenen eindrucksvoll hervorheben. Die Schauspieler haben sich weiterentwickelt, gingen mit noch mehr Elan und Selbstbewusstsein an die Sache heran als im Jahr zuvor. Ihre schauspielerische Leistung und persönliche Entwicklung wurden durch die hervorragende theaterpädagogische Arbeit des Leiters und Regisseurs Uwe Fröhlich gefördert und gefordert.

Heraus kam ein Theaterstück, bei dem keinem langweilig wurde, in dem die Gefühle von Freude über Nachdenklichkeit bis hin zur Traurigkeit Achterbahn fuhren. Ein Theaterstück, das jedem in ganz besonderer Erinnerung bleiben wird.