Theater für Jugendliche


Theater gegen Mobbing

Die 9. Klasse der René-Schickele-Schule, Badenweiler erarbeitete mit Uwe Fröhlich ein Theaterstück gegen Mobbing. Die Jugendlichen waren maßgeblich an der Entstehung des Stückes beteiligt. Das Stück, welches als Forum-Theater angelegt war, wurde an mehreren Orten aufgeführt.

Forum-Theater ist eine spezielle Form des Theaterspiels. Das Stück endet am dramatischen Höhepunkt in einer ausweglosen Situation. Der Moderator (in unserem Fall Uwe Fröhlich) geht mit den Zuschauern ins Gespräch und gemeinsam werden die Probleme im Stück erörtert. Einzelne Szenen werden nun nachgespielt. Dabei kommen Zuschauer auf die Bühne. Sie ersetzen einzelne Spieler und durch neue Entscheidungen nehmen Handlungen einen anderen Verlauf. Dadurch kann sichtbar gemacht werden, wie die Entscheidungen einzelner Personen den Verlauf einer Handlung maßgeblich verändern können.


Über unser Stück

Das Theaterstück, das wir mit Uwe eingeübt haben, handelt von einem Jungen namens Giovanni der neu an eine Schule kommt und sich nicht zurecht findet. Er wird von den anderen Schülern
gemobbt. Dann lernt er ein Mädchen kennen das zuvor mit dem beliebtesten Jungen der Schule zusammen war. Giovanni verliebt sich in sie.
Doch ihr Exfreund und seine Clique kommen damit nicht zurecht. Ein Konflikt bahnt sich an. Giovanni wird so sehr in die Enge getrieben, bis er die Kontrolle über sich selbst verliert und sein Messer zieht.

Unser Vorhaben

Wir führen unser Stück an verschiedenen Schulen in der Region als sogenanntes “Forum-Theater” auf. Forumtheater ist die wichtigste Methode des Theater der Unterdrückten nach Augusto Boal: Bei dieser Art von Stücken ist das Ende bewusst offen gehalten und im Anschluss der Aufführung findet eine Verarbeitung des Themas mit dem Publikum statt. Zuschauer können in die Rolle einzelner Figuren des Stückes schlüpfen, neue Lösungsmöglichkeiten darstellen und so dem Handlungsverlauf neue Wendungen eben. Dabei soll bewusst gemacht werden, dass der Einzelne durch sein Verhalten Einfluss auf eine große Gruppe haben kann.


Wer sind wir?

Wir sind insgesamt 23 Schüler, manche von uns kommen mit ihren Familien aus anderen Ländern:
· 3 aus der Türkei
· 1 aus Russland
· 2 aus Italien
· 1 aus Frankreich
· 1 aus Bosnien
· 1 aus Marokko
· 1 aus Kroatien
· und die übrigen aus Deutschland

Einige von uns haben eine große Rolle im Theaterstück übernommen, insgesamt spielen 17 Schüler aktiv mit. Die anderen Mitschüler kümmern sich um die Technik und übernahmen die Werbung für das Theaterprojekt.


Erschienen am: 21.1.2011

"Mach das Messer weg!"
Die neunte Klasse der René-Schickele-Schule plant Theateraufführungen über Mobbing an anderen Schulen / Projekt mit Creativo.


Die neunte Klasse der René-Schickele-Schule hat ein Stück über Mobbing entwickelt – und wird dies auch an anderen Schulen aufführen. Foto: Privat


BADENWEILER (BZ). Die neunte Klasse der René-Schickele-Schule in Badenweiler hat mit dem Theater Creativo ein Stück zum Thema Mobbing entwickelt, das demnächst an den Schulen in der Umgebung aufgeführt wird.
"Hör auf mit der Scheiße!" – "Mach das Messer weg!" – "Warum machst du das!" – "Jetzt lass mich doch einfach in Ruhe!" Ungewohnte Töne an der René-Schickele-Schule? Zum Glück ist es kein Ernstfall, die Schüler proben nur für ein Theater zum Thema Mobbing. Zusammen mit dem Theaterpädagogen Uwe Fröhlich vom Theater Creativo entwickelte die neunte Klasse das Stück, das als Forumtheater vor Sechs- bis Achtklässlern verschiedener Schulen aufgeführt werden soll. Forumtheater ist die wichtigste Methode des "Theaters der Unterdrückten" nach Augusto Boal, berichtet Fröhlich in einer Mitteilung: Das Ende des Stückes ist offen gehalten, im Anschluss an die Aufführung findet mit dem Publikum eine gemeinsame Aufarbeitung des Stückes statt. Zuschauer können in die Rolle einzelner Figuren schlüpfen, neue Lösungsmöglichkeiten darstellen und so dem Handlungsverlauf neue Wendungen geben. Dabei soll bewusst gemacht werden, dass der Einzelne durch sein Verhalten Einfluss auf eine große Gruppe haben kann.
Die Neuntklässler der Schule hätten sich intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt und in der Theaterarbeit aufgedeckt, wie Mobbing funktioniert. Dass es auf dem Schulhof und im Klassenzimmer nicht immer harmonisch zugeht, wissen die Jugendlichen, die acht Nationalitäten angehören, aus eigener Erfahrung. Sie entwickelten ein Stück, das von einem Jungen namens Giovanni (gespielt von Metin Beytur) handelt. Giovanni ist neu an die Schule gekommen und wird von den anderen Schülern gemobbt. Er lernt Mia kennen (Sanja Federer), die zuvor mit dem beliebtesten Jungen der Schule zusammen war. Giovanni verliebt sich in sie. Doch ihr Ex- Freund und seine Clique kommen damit nicht zurecht. Sie schicken Giovanni stündlich SMS-Nachrichten mit Drohungen, verbreiten Gerüchte und treiben ihn so weit in die Enge, dass auch seine Freundin Mia nicht mehr zu ihm stehen kann und sich von ihm trennt.
Auch Zuhause findet Giovanni keinen Rückhalt. Der arbeitslose Vater (Fabien Vanduren) kämpft mit eigenen Problemen. Als Giovanni auch noch um Geld erpresst wird, verliert er die Kontrolle und zieht sein Messer… Mobbing ist Thema in jeder Schule. Meist seien Übergriffe von Cliquen gegen Einzelne subtil und schwer zu durchschauen, so Uwe Fröhlich in seiner Mitteilung. Wie auch immer sich das Mobbing äußere, für die Betroffenen sei es verletzend und grausam. Die Schüler und Schülerinnen, die das Theaterstück einübten, möchten ihm zufolge zeigen, wohin Mobbing im schlimmsten Fall führen kann. Deshalb wollen sie das Stück an Schulen in der Umgebung aufführen und andere Handlungsmöglichkeiten bewusst machen.

Insgesamt spielen 17 Schüler und Schülerinnen mit. Die anderen kümmern sich um Technik und Bühne, sind in Regieassistenz und Produktionsleitung tätig. Zwei Aufführungen an der eigenen Schule hätten der Gruppe Selbstvertrauen gegeben, so dass sie jetzt gewappnet sei für die Aufführungen vor fremden Schülern, meint Fröhlich.


Erschienen am Sa, 26. Februar 2011

"Es ist oft leichter, auf der Seite des Täters zu stehen"

Ein Theaterstück von Schülern für Schüler mit der Botschaft: Ihr könnt es besser machen! Es geht darum, wie Mobbing vermieden, wie Opfern geholfen werden kann.

Giovanni wird von Mitschülern während des Unterrichts gemobbt und.... steht alleine da. Fotos: Schäfer

MÜLLHEIM. In der Rubrik Enter der Badischen Zeitung haben Jugendliche die Möglichkeit, mit ihren Erfahrungen die Zeitung zu "entern". Jana Schäfer aus Eschbach hat in Müllheim eine Theateraufführung der René-Schickele-Schule zum Thema Mobbing besucht.

"Wir sind heute hier, um euch zu zeigen, was passiert, wenn jemand gemobbt wird. Wir wollen, dass ihr es besser machen könnt." Mit diesen Worten eröffnen die Schüler der René-Schickele-Schule ihr Theaterstück über Mobbing. Die Martinskirche ist bei der Vorstellung um 9.30 Uhr gut gefüllt mit der 6. bis 8. Klasse der Freien Waldorfschule. In dem selbsterarbeiteten Theaterstück geht es um den Jungen Giovanni, "Gios", der neu auf eine Schule gekommen ist und gemobbt wird. Das Thema soll gerade Schüler der Klassenstufen sechs bis acht ansprechen, und die Schüler kommen nach dem Stück auch selbst zum Einsatz. Uwe Fröhlich, ein Theaterpädagoge aus Badenweiler, begleitete die Schüler über zwei Monate hinweg bei der Arbeit an dem Stück.

Eine Szene spielt im Klassenzimmer. Als Gios sich setzten will, nehmen seine Mitschüler ihre Schultaschen nicht weg, und als der Lehrer kommt, behaupten sie, er hätte einen anderen Mitschüler geschlagen. Als Gios wütend das Klassenzimmer verlässt, da nicht einmal seine Freundin Mia zu ihm hält, friert die Szene plötzlich ein. Die Mitschüler stehen nach einander auf und erklären, wieso sie Gios nicht geholfen haben. "Gios tut mir schon leid, aber ich traue mich nicht ihm zu helfen – wegen meiner Freunde."

Alle setzen sich wieder hin, und das Stück geht weiter. Das Ende ist offen. In der letzten Szene zückt Gios sein Messer, Mia stehe hilflos daneben, alle schreien auf Gios ein. "Nimm das Messer weg!" Dann friert die Szene ein. Lauter Applaus brandet auf, als die Schüler sich vor dem begeisterten Publikum verbeugen.

"Jetzt wollen wir gemeinsam mit euch über Mobbing sprechen", erklärt Uwe Fröhlich. "Was denkt ihr, wie hätte Gios geholfen werden können?" Die anfängliche Schüchternheit des Publikums weicht bald. "Der Vater war Assi, er hätte helfen sollen", sagt ein Sechstklässler. Die Darsteller spielen erneut die Szene nach, diesmal wird ein Schüler aus dem Publikum auf die Bühne geholt. Er soll die Rolle des Vaters spielen und zeigen, was dieser hätte besser machen sollen. So werden einige Szenen wiederholt – sie zeigen nun, wie es besser gewesen wäre für Gios.

"Es ist oft leichter, auf der Seite des Täters zu stehen", sagt Uwe Fröhlich. Die Schüler werden gefragt, was Mia hätte besser machen können. "Sie hätte nicht mit ihm Schluss machen, sondern zu ihm stehen sollen." Die Szene wird erneut gespielt, und diesmal steht Mia zu ihrem Freund und verteidigt ihn. "Sie hat ihm Mut gegeben", heißt es nun aus dem Publikum. "Jetzt konnte er spüren, dass jemand zu ihm steht."

Zur Autorin:

Jana Schäfer ist 15 Jahre alt und besucht die 10. Klasse der Waldorfschule in Müllheim. Zurzeit absolviert sie ein Praktikum in der Redaktion der Badischen Zeitung in Müllheim und übt sich als künftige Journalistin.